Grundbuchzentralarchiv in Kornwestheim

Am 21.03.2012 ist das Grundbuchzentralarchiv in Kornwestheim, eines der größten Archive Deutschlands, offiziell in Betrieb gegangen. Auf einer Fläche, die größer ist als drei Fußballfelder, sind auf dem historischen Salamander-Areal nun Grundbücher und Grundakten aus dem gesamten Land Baden-Württemberg gelagert.

Das sagten Finanzstaatssekretär Ingo Rust, Justizminister Rainer Stickelberger und Kunststaatssekretär Jürgen Walter. „Bis Ende 2017 werden nach und nach mehr als 16 Millionen Akten in das Archiv übernommen, die voraussichtlich 182 Kilometer an Regalen füllen.“

Quelle: YouTube, Regierung Baden-Württemberg

Die Einrichtung des Archivs ist Teil der Reform des Grundbuchwesens in Baden-Württemberg. Insgesamt sind 654 Grundbuch-Ämter bei 13 zentralen Amtsgerichten eingegliedert worden. Grundbücher wie auch Grundakten sind dort ausschließlich elektronisch geführt.

Die bestehenden Akten aus Papier werden zentral auf dem Salamander-Areal aufbewahrt. „Mit der Reform des Grundbuchwesens gehen wir einen wichtigen Schritt in Richtung des elektronischen Rechtsverkehrs“, stellte Justizminister Stickelberger fest. „Das Grundbuchzentralarchiv ist der Ort, an dem die Geschichte in Form historischer Akten auf die Gegenwart und die Zukunft mit den elektronischen Akten trifft.“

Grundbuchwesen Baden-Württembergs zukunftsfähig gemacht

Nachdem am 1. Juli 2012 die rechtliche Grundlage für den elektronischen Rechtsverkehr in Kraft getreten ist, konnten die papiernen Grundakten bei Bedarf digitalisiert werden. In vielen Kommunen ist bereits heute eine Einsicht in das digitale Grundbuch möglich. Langfristig wird das auch für die digitalen Grundakten möglich sein. „Dank der guten Bedingungen in Kornwestheim können wir Bürgerinnen und Bürger schnell und kompetent mit Informationen versorgen“, erklärte der Minister.

Der Minister der Justiz und für Europa, Guido Wolf, hat am 30. November 2018 im Erfassungszentrum beim Amtsgericht Stuttgart höchstpersönlich das letzte Papiergrundbuch digitalisiert. Seit 2000 wurden rund sechs Millionen Grundbücher im Land digitalisiert. Minister Wolf: „In einem fast 20-jährigen Prozess hat die baden-württembergische Justiz eine Mammutaufgabe bewältigt und das Grundbuchwesen des Landes zukunftsfähig gemacht.“ (Ministerium der Justiz und für Europa Baden-Württemberg, Pressemeldung, 30.11.2018)

Hohe Anforderungen an den Umbau auf dem Salamander-Areal

Beim Umbau der ehemaligen Produktionshallen des Salamander-Areals für das neue Grundbuchzentralarchiv waren hohe Anforderungen zu erfüllen: „Millionen von Akten wiegen schwer, was eine hohe Tragfähigkeit der Geschossdecken erfordert. Außerdem muss eine gleichbleibende Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit sichergestellt sein.“ In den Räumen auf dem Salamander-Areal sei das gewährleistet. „Zudem ist es dem Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg mit der Anmietung in Kornwestheim gelungen, die geforderte zentrale Lage sicherzustellen“, erklärte Finanzstaatssekretär Rust bei der Eröffnung im Jahr 2012. „Gleichzeitig leistet das Land mit der langfristigen Anmietung einen Beitrag zur nachhaltigen Revitalisierung des denkmalgeschützten Industrie-Areals.“

Für das Grundbuchzentralarchiv sind auf dem Salamander-Areal in Kornwestheim insgesamt über 30.000 Quadratmeter Fläche umgebaut und eingerichtet worden. Dazu kommen Büro-, Werkstatt- und Besucherräume.

 

182 Kilometer Grundbuchunterlagen

In solchen Regalen werden auf einer Fläche von ca. zwei Fußballfeldern alle Grundbücher des Landes Baden-Württemberg zentral gelagert. Foto: © Rose Hajdu

„Die Reform des Notar- und Grundbuchwesens bildete die größte Strukturreform in der Geschichte der baden-württembergischen Justiz. Von April 2012 bis Dezember 2017 wurden im badischen Landesteil 334 Grundbuchämter und im württembergischen Landesteil 298 Grundbuchämter aufgehoben und deren Bezirke 13 zentralen Grundbuchämtern zugewiesen. Die bestehenden Akten aus Papier werden im Grundbuchzentralarchiv in Kornwestheim aufbewahrt. Dort lagern nunmehr rund 182 Kilometer Grundbuchunterlagen.“

„Baden-Württemberg hat sich, anders als andere Bundesländer, gegen das bloße Scannen und stattdessen für eine qualifizierte digitale Neufassung der Grundbücher entschieden. Es stehen daher nicht nur Abbildungen der vormals papiernen Grundbücher zur Verfügung, sondern strukturierte Daten, in denen beispielweise digitale Suchen und Recherchen möglich sind.“

Quellen: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg / Justizministerium Baden-Württemberg / Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (www.baden-wuerttemberg.de)