Der Architekt des Salamander-Areals: Philipp Jakob Manz

Das Salamander-Areal ist die Keimzelle der später international agierenden Marke Salamander Schuhe. Das Fabrikgebäude wurde von Architekt Philipp Jakob Manz zwischen 1904 und 1910 errichtet.

Zu Philipp Jakob Manz bekanntesten Bauten zählen neben dem Salamander-Areal die Zeppelin-Werftanlagen in Friedrichshafen und die Uhrenfabrik Junghans in Schramberg. Als typischer Vertreter des frühen Industriebaus wurde das Salamander-Areal als Kulturdenkmal geschützt.

Wer war dieser Philipp Jakob Manz?

Manz wurde 1861 geboren. Als 16-jähriger nahm Manz ein Studium der Architektur und des Bauhandwerks an der Königlichen Württembergischen Baugewerkschule Stuttgart unter anderem bei Emil Otto Tafel auf. In dessen Architekturbüro sammelte er später 10 Jahre lang praktische Erfahrungen. Als 30-jähriger eröffnete er ein eigenes Architekturbüro in Kirchheim unter Teck. Sein Angebot war unüblich und äußerst erfolgreich: Er bot den gesamten Baubedarf eines Industrieunternehmens aus einer Hand. Mit anderen Worten er entwickelte nicht allein die Industriebauten, sondern zugleich auch Arbeitersiedlungen und Fabrikantenvillen.

Internationaler Erfolg

1900 zog Manz nach Stuttgart um. Bereits 1905 gründete er eine Filiale in Wien und weitete seine Tätigkeit auf Österreich-Ungarn, Bayern, Baden und Schlesien aus. Seine funktionellen Planung und neue Konzepte für kostensparende, innovative Industriehallenkonstruktionen machten das Manz’sche Büro in Deutschland und im benachbarten Ausland bekannt. Manz war dementsprechend äußerst erfolgreich und eine echte Ausnahmeerscheinung. In seinen Büros beschäftigte er bis zu 100 Architekten, die jährlich 80 bis 100 und mehr Bauten entwarfen. Damit zählte zu den führenden Industriearchitekten seiner Zeit und seine Arbeiten prägten deshalb die Industrielandschaft.

Von den Zeitgenossen unterschätzt

Manz war ein Wegbereiter und konsequenter Verfechter des funktionalen Bauens. Dennoch beachteten ihn sowohl die Architekturkritik seiner Zeit als auch seine Architektenkollegen kaum. Die Architekturgeschichte nach 1945 zeigte dementsprechend nur geringes Interesse an ihm. Wie kommt das? Heute vermutet man, dass man dem “Beinahe-Autodidakten” seine “niedrige” Ausbildungsherkunft als Student der Stuttgarter Baugewerkeschule vorhielt.

Seine wirkliche Bedeutung für die Industriebaugeschichte kommt bei dabei natürlich zu kurz. Manz blickte jedoch über den Tellerrand: Die angelsächsischen Länder waren viel früher von der Industrialisierung geprägt als die deutschen. So nimmt es nicht Wunder, dass dort der spezialisierte Industriearchitekt viel angesehener war, während der Industriebau hierzulande ungeliebt war und fast als minderwertige Aufgabe galt.

Der „Blitzarchitekt“

Manz entschloss sich folgerichtig, die Grundlagen vor Ort zu erkunden. Sein Weg führte ihn daher nach Großbritannien und wahrscheinlich auch in die USA. Dort lernte er die Regeln der modernen Betriebswirtschaft und die amerikanische Forschung zur Rationalisierung der Baupraxis kennen. All das setzte er als einer der ersten „Unternehmerarchitekten“ in Deutschland um. Rationalisierung und zügige Realisierung von Bauvorhaben wurden zu seinem Markenzeichen, was ihm den Beinamen „Blitzarchitekt“ einbrachte.

Eine Anerkennung seiner Leistungen erhielt Philipp Jakob Manz vergleichsweise spät. Als 51-jähriger wurde ihm 1912 der Ehrentitel eines königlich württembergischen Baurats verliehen. Manz starb 1936 in Stuttgart. Sein Sohn Max führte danach das Stuttgarter Architekturbüro weiter.

Bildquellen

  • Salamander Architekt Nickel: © IPSAK (IMMOVATION-Unternehmensgruppe)